Entwässerung in Garagen und Parkdecks

… und warum es auf jedes Detail ankommt:

ein Pumpensumpf ist keine Lösung

Ca. 5 Liter Wasser werden an einem Regentag durch eine PKW-Einfahrt in eine Garage eingetragen. Bei Schneefall sind es bereits 25 Liter je Einfahrt. Wenn wir einen durchschnittlichen Pumpensumpf mit 60/60/60 cm heranziehen, so kann dieser 216 Liter Wasser fassen, bevor er übergeht. Nach nur 9 PKW-Einfahrten an einem Schneetag ist der Pumpensumpf voll.

Diese Rechenbeispiel erklärt, warum Pumpensümpfe oder Verdunstungsrinnen auch in kleinen Garagen schnell zum Problem werden. Das Auspumpen des Schachtes erfolgt meist erst Tage später, wenn die Hausverwaltungen oder externen Dienstleister wieder Zeit dafür haben. In der Zwischenzeit ärgert sich der Kunde über Lackenbildungen. Aber noch schlimmer ist, es kommt zu Spritzwasser und zu Chorideintrag in das Stahlbetontragwerk.

In Österreich ist seit 2017 eine Entwässerung in Garagen empfohlen (öbv-Richtlinie), d.h. das anfallende Wasser wird mit 2 % Bodengefälle zu einem Ablauf, über einen Ölabscheider mit Hebeanlage in den Kanal entwässert. Auf Freidecks und in Parkdecks sind 2,5 % Gefälle Stand der Technik, da hier vermehrt Wasser anfällt.

Als Entwässerungseinrichtung sind zulässig:

  • offene Entwässerungsrinnen mit Tragwerksschutz
  • Edelstahlrinnen
  • Beton- bzw. Faser- und Polymerbetonrinnen
  • Kunststoffrinnen

Materialanforderungen

Die eingesetzten Materialien müssen resistent gegen Wasser, Öle, Treibstoffe und Chloride und dauerhaft flüssigkeitsdicht sein. Damit ist eine häufig verwendete Materialkategorie eigentlich nicht zulässig: Verzinkter Stahl. Wenn dieser mit chloridhältigem Wasser beaufschlagt wird, beginnt er sehr rasch zu rosten. Bereits nach ein bis zwei Jahren kann es zum Abrosten von Verschraubungen kommen, wie in Abbildung 1 zu sehen ist.

Abb. 1: verzinkter Abdeckrost mit durchgerosteten Befestigungen

2. Entwässerungsebene

Werden Rigole oder Rinnen aus Fertigteilen stumpf gestoßen, so sind diese unterhalb abzudichten, denn der stumpfe Stoß ist meist nicht dicht zu bekommen. Ebenso bei Rinnen ohne Flansch ist eine darunter liegende Abdichtung erforderlich. Dabei ist die 2.Entwässerugnsebene nicht zu vergessen, da das Wasser auch auf der Abdichtungsebene abrinnen können muss. Ein Gully in einer Bitumenabdichtung, der keine Einlauflöcher auf Höhe der Abdichtung aufweist ist daher ungeeignet, wie in Abbildung 2 zu sehen ist. Dieser Gully hat weder einen Flansch noch eine 2. Entwässerungsebene.

Abb. 2: Gully ohne Flansch und ohne 2.Entwässerungsebe

Bitumenabdichtung in Rinnenvertiefungen

Doch auch eine Abdichtung unterhalb einer Kunststoffrinne hat ihre Tücken. Ein Muster anzulegen, wie in Abbildung 3, ist noch keine Garantie fürs Gelingen. Bituminöse Abdichtungsbahnen längs in Rinnenvertiefungen einzuflämmen ist auf Grund der Bahnenware technisch nicht möglich. Es kommt entlang der Rinnenkanten zu Hohllagen (Abb. 4).

Abb. 3: Musterfläche Abdichtung unter Rinne
Abb. 4: markierte Hohllagen unter Bahnenware in der Rinnenvertiefung

Beschichtungsflansch

Auch ein Beschichtungsflansch ist nicht immer die Lösung, denn auch hier kann es Überraschungen geben. Dabei kommt es einereits auf die Flanschstärke an und andererseits auf den professionellen Einbau des Produktes mit einem schwindelfreien Mörtel. Ein zu dünner Flansch von nur 1-2 mm Dicke wird beim Überfahren in Schwingung versetzt und mit der Zeit einen Riss in der Beschichtung verursachen. Aber auch wenn der Rinnenkörper nicht hohllagenfrei unterfüttert wurde, kann es beim Überfahren zu Ausbrüchen und Rissen kommen, siehe Abbildung 5.

Abb. 5: Riss bei Anschluss an das Rigole

Fazit: Entwässerungseinrichtungen in Garagen und Parkdecks benötigen viel Aufmerksamkeit und Erfahrung, damit sie gelingen. Ein Pumpensumpf ist aber trotzdem keine Alternative.


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