Die Tiefgarage „a g’mahde Wiesn“?

Vor einigen Tagen sprach Andrew Demmer in einem Presse-Interview über sein Tee-Business:  „Goldene Nase verdient man sich keine…“, … es ist keine g’mahde Wiesn*. Ab und zu wenn ich in eine Innenstadtgarage hineinfahre, denke ich: ich hätte in eine Garage investieren sollen, da müsste ich nur einmal am Tag mit dem Putzwagen durchfahren.“

Dieser Gedanke streift mich auch, wenn ich nach genau 61 Minuten eine Parkgebühr von € 9,- zahlen muss. Doch wenn ich das Ganze durchdenke komme ich zu dem Schluss, dass meine Vorfahren etwas weitsichtiger und risikoreicher hätten sein können.

Denn das Garagengeschäft ist, wenn überhaupt, nur in der nächsten Generation „a g’mahde Wiesn“. Parkkunden sind nach dem Besuch in einer Tiefgarage mit einem Stundenpreis von € 4,50 oft der Meinung, das Garagengeschäft wäre eine „Cashcow“. Autos gibt es ja genug, die Kunden kommen von alleine, einmal investiert und alles läuft wie von selbst.

Das Betreiben von Garagen ist ein freies Gewerbe, also ich z.B. könnte es auch anmelden und bräuchte dafür keine spezielle Ausbildung. Beim Garagenbusiness braucht man jedoch unbedingt drei Dinge:

  1. den richtigen Standort
  2. den richtigen Standort
  3. den richtigen Standort

Wenn man die ersten drei Punkte gelöst hat, gibt es noch weitere Dinge zu beachten:

  • hohe Baukosten durch Spezialtiefbau wie Deckelbauweise, Schlitzwände, etc.
  • teure Provisorien bzw. kostspielige Verlegung von Einbauten in den Straßen (Kanal, Telefon, LWL, Fernwärme, …)
  • Zusatzkosten in der Innenstadt für Archäologie (hier wird immer ein alter Scherben  gefunden), Anrainerklagen wegen Geschäftsschädigung und unzumutbarer Lärm- und Staubentwicklung während des Baus
  • Wünsche der Magistrate: Gehsteigverbreiterung und Wiederherstellung aller umliegenden Straßen, Parkplatzrückbau, Baumpflanzungen, …
  • aber auch Bürgerbewegungen können gegen das Projekt mobil machen

GEB Mannergarage

Die Baukosten belaufen sich in City-Lagen auf € 30.000,- bis € 50.000,- und aufwärts je Stellplatz (wir reden hier von Tiefgaragen mit mindestens 200 Stellplätzen). Die Kosten sind von vielen Faktoren abhängig u.a. auch davon, wie viele Stellplätze und Geschoße errichtet werden. Teure Rampenbauwerke und Stiegenhäuser legen sich auf den Stellplatzpreis um. (Vom komplexen Erwerb der Grundstücks- und Baurechte schreibe ich hier besser gar nichts.)

Neidvoll muss ich zugeben, einige Standorte in der Wiener Innenstadt würde ich auch gerne besitzen, leider waren es nicht meine Vorfahren die hier investiert haben. Auf der anderen Seite gibt es unzählige Garagenstandorte in Wien die zu mehr als 50 % leer stehen. Gott sei Dank war mein Vater hier auffallend konsequent.

Die hohen Investitionskosten zu Beginn und eine nur langsam über viele Jahre ansteigende Auslastung führen dazu, dass sich eine Tiefgarage in Citylage meist erst nach 30-50 Jahren zu rechnen beginnt. Doch spätestens dann wird schon wieder eine kostenintensive Sanierung fällig.

Dazu kommen noch uneinschätzbare Risiken aus

  • Mitbewerbern im Umkreis, solche die es schon gibt oder welche die noch kommen könnten
  • Änderungen der Straßenführung,
  • der plötzlichen Einführung der Citymaut oder des Parkpickerls
  • unvorhersehbaren Veränderungen des Mobilitätsverhalten in den nächsten 10-20 Jahren

PAH 1.UG gelb

Die fertige „Goldesel“-Garage muss nun rund um die Uhr betreut werden. Über Telefon müsste ich Tag und Nacht bereit stehen, um Ticketstaus, Schrankenpannen, Schnee o.ä. so schnell wie möglich zu beseitigen. Innenstadtkunden sind wenig tolerant. Daher wäre das Beste ich stelle mein Bett vor Ort auf, denn Probleme gibt es ja auch in der Nacht. (Wobei mein Mann damit nicht einverstanden wäre)

Professionelle Garagenbetreiber lösen das mit einem 24h-Bereitschaftsdienst im Schichtdienst und kostspieliger Sprech- und Videoverbindung zu einer Leitwarte. Regelmäßige Wartungen aller Sicherheitseinrichtungen und technische Überprüfungen mit Behörden sind an der Tagesordnung. Ein gewerberechtlicher Geschäftsführer haftet persönlich für jeden „Ausrutscher“ seiner Kunden. Ein geduldiges und geschultes Kundencenter nimmt die Anliegen (meist Beschwerden) entgegen. Und Beschwerden gibt es viele, nämlich in erster Linie über die Kosten. Aber hier schließt sich der Kreis mit der „g’mahden Wiesn“. Vielleicht ist Tee-Business einfacher, aber das ist eine andere Geschichte.

* „a g’mahde Wiesn“ (ugs.) = eine gemähte Wiese

Zu allen Themen wie Bau, Betrieb und Gestaltung von Garagen und Parkdecks berate ich Sie gerne. Informationen finden Sie unter http://www.arazli.at

Susanna Arazli – Expertin für Garagen


2 Gedanken zu “Die Tiefgarage „a g’mahde Wiesn“?

    1. Liebe Fleur! Danke für Deinen Kommentar! Garagen sind wie eine Unterwasserwelt, man muss in sie eintauchen, dann findet man höchst interessante Dinge dort. Schön, dass ich Dich mittlerweile auch etwas für Garagen begeistern konnte.

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